Künstler- und Veranstaltungsmanagement

KulturInitiative
Hanna Schygulla

Information

Hanna Schygulla

Chanson

„Oft bin ich gefragt worden: Wenn Sie ihr Leben noch einmal beginnen könnten, würden Sie dann auch wieder Schauspielerin werden? Anfangs habe ich gesagt: „Ja, warum nicht!“ Dann: „Wer weiß? Warum eigentlich noch einmal?“ Und schließlich: „Am liebsten würde ich dann etwas mit Musik machen.“ Eines Tages habe ich mich dann gefragt: Warum brauche ich dafür ein neues Leben? Warum nicht in diesem?“

Das Programm: Aus meinem Leben

eine musikalische Biographie

Sobald wir eine Bühne betreten, wird aus dem Leben... Theater. Doch aufgeführt wird diesmal nicht etwas Ausgedachtes, sondern Selbsterlebtes und ich trete auf als Darstellerin meiner eigenen Biographie, eine Rolle, die mir unter allen möglichen Rollen meiner Laufbahn als die Wichtigste erscheint.

Es ist wohl wahr, dass ich einen grossen Teil meines Lebens sozusagen von Berufs wegen im Reich der Fiktion verbracht habe. Dennoch kann ich nicht umhin, immer wieder aufs Neue zu entdecken, dass die Romane, die das Leben schreibt, ebenso phantastisch sind wie die Werke der Phantasie. Deshalb kommt es auch gar nicht selten vor, dass mir ein Dokumentarfilm lieber ist als ein Kunstfilm und dass es mich mehr interessiert zu hören, was jemandem wirklich zugestossen ist, als das, was er sich ausgedacht oder angelesen hat oder seine Ansichten über dieses und jenes.

Gibt es außer Düften und Aromas etwas, das die Erinnerung stärker bindet und wiederaufleben lässt als gewisse Rythmen und Melodien? Immer schon haben Musiken in meinem Leben eine große Rolle gespielt. Sie haben mich durch gewisse Perioden dieses Lebens begleitet und kreisen auch heute noch in mir wie das Echo von Zeiten, die ich hinter mir habe oder Verheißungen von etwas, das da noch kommen mag!

Es schläft ein Lied in allen Dingen
die da träumen fort und fort
Und die Welt fängt an zu singen,
kennst du nur das Zauberwort.

(Josef von Eichendorff)

Hanna Schygulla

Biografie

Biografie

Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder

Während der 13-jährigen Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder spielt Hanna Schygulla in mehr als 20 seiner Filme. Die international bekanntesten sind:

1969 Liebe ist kälter als der Tod (der erste Film Fassbinders)
1972 Die bitteren Tränen der Petra von Kant
1978 Die Ehe der Maria Braun
1979 Effi Briest
1980 Lili Marleen
1981 Berlin Alexanderplatz

Zusammenarbeit mit weiteren deutschen Regisseuren:

1974 Falsche Bewegung, ein Film von Wim Wenders
1974 Heller Wahn, ein Film von Margarethe von Trotta
1981 Die Fälschung ein Film von Volker Schlöndorf

Zusammenarbeit mit internationalen Regisseuren:

1981 Antonietta, ein Film von Carlos Saura
1981 Die Flucht nach Varennes, ein Film von Ettore Scola
1982 Passion, ein Film von Jean-Luc Godard
1982 Die Geschichte der Piera, ein Film von Marco Ferreri
Goldene Palme des Festivals in Cannes / Preis für die beste Schauspielerin
1983 Eine Liebe in Deutschland, ein Film von Andrzej Wajda
1985 Peter der Große, TV-Serie von Marvin Chomsky
1986 Miss Arizona, ein Film von Pal Sandor
1990 Dead again, ein Film von Kenneth Branagh
1993 Aux petits bonheurs, ein Film von Michel Deville

Zusammenarbeit mit Gabriel Garcia Marquez:

1989 Der glückliche Sommer des Fräulein Forbes, ein Film von Umberto Hermosillo
1991 Ich verleihe mich zum Täumen, TV-Serie von Ruy Guerra
2000 Werckmeisters Harmonien, ein Film von Bela Tarr
2001 Absolitude, ein Film von Hiner Salem

Zusammenarbeit am Theater mit:

1968 Rainer Werner Fassbinder
1975 Peter Stein
1980 und 1987 George Tabori
1995 Klaus Maria Grüber

Musikalische Zusammenarbeit mit:

1994/95 David Lynx
1994 Stanley Walden
1995/99 Jean-Marie Sénia
1996 Bruno Fontaine
1997 Norbert Glantzberg
1997 Kreation des Bühnenabends „Quel que soit le songe“ / „Hanna Schygulla chantesingt“ für das Festival von Avignon
Komposition und musikalische Begleitung: Jean-Marie Sénia
Konzeption: Hanna Schygulla
1998 Nicos Kipurgos
1998/99 Auftritte mit „Quel que soit le songe“ in vielen europäischen Großstädten
1998 Kreation von „Kronos - Kairos“
Komposition und musikalische Begleitung:
Markus und Simon Stockhausen und Manos Tsangaris
Konzeption: Hanna Schygulla
Regie: Julie Brochen
2000/2001 Kreation des Bühnenabends „Brecht... hier und jetzt“
Texte Bertolt Brecht, Hanna Schygulla
Musik: Hanns Eisler, Kurt Weill
Regie: Julie Brochen und Alicia Bustamante
Kreation des Bühnenprogramms „Elle! Louise Brooks“
Musik: Roberto Tricari
Konzeption: Roberto Tricari, Hanna Schygulla

Termine

Showtermine und Veranstaltungsorte

2012

Aus meinem Leben - eine musikalische Biografie

13. März 2012  Berlin / Wintergarten

 

Rezensionen

Presse über das aktuelle Programm „Aus meinem Leben“

 

Braunschweiger Zeitung - 14.09.2010, von Christoph Braun

Die liebe Hanna und die dicke Oma

Die Schygulla mit einem beeindruckenden Liederabend bei Kultur im Zelt in Braunschweig

„Meine Oma ist dick, weil sie voller Liebe ist.“ Ein Raunen geht durch das Zirkuszelt im Bürgerpark. Hanna Schygulla gibt einen Liederabend anlässlich von „Kultur im Zelt“. Es ist schon nach zehn, das Konzert neigt sich dem Ende zu, als dieser wie beiläufig fallende Satz das auf den Punkt bringt, was hier gerade passiert.

Denn mit diesem Satz, der von einem Buchtitel stammt, propagiert Hanna Schygulla in der kindlichen Sprache, in der sie sich selbst gerne äußert, ein Ideal. Sie erfüllt es, indem sie aus ihrem Leben singt.

Selbst ist sie ja von mächtiger Körperlichkeit, wobei ein Alltagswörtchen wie „dick“ in diesem Kontext unangebracht wirkt. Oma ist sie auch keine: „Leider“, so bemerkt sie einmal sinngemäß in diesen erbaulichen zweieinhalb Stunden, hat sie selbst keine Kinder zur Welt gebracht. Warum trifft dann eigentlich das Zitat von der dicken Oma so den Nagel auf den Kopf?

Weil es viel zu lernen gibt, viel zu hören, viel zu erleben, wenn Hanna Schygulla eine musikalische Biografie gestaltet. Ein Titel wie „Aus meinem Leben“ mag in Zeiten, in denen Werke gleichen Namens von Goethe oder Casanova verblassen, wie die hundertsten unbedeutenden Lebensbekenntnisse eines Lothar Matthäus und Co. wirken. Doch Hanna Schygulla vermag es, ihrem Leben Bedeutung zu verschaffen.

Sie erzählt von ihrem Geburtsort Königshütte und singt im Anschluss das Kinderlied vom „Pommernland“, das abgebrannt ist – 1943 zur Welt gekommen, flüchtet sie mit ihrer Mutter aus Oberschlesien und landet bei München. So setzt sich die Reihe der Lieder, Chansons und Songs in Gang.

Die Bühne, die Musik, das Licht, alles ist denkbar einfach gehalten. Nur der Mann am Klavier setzt diese Frau in Szene. Schygulla singt „Mylord“ von Edith Piaf, die sie 1962 als Au-pair-Mädchen in Paris entdeckt. Sie gibt ein Best-of-Sixties-Potpurri zum Besten, das die Stones, die Beatles und „Born To Be Wild“ wieder klingen lässt.

Auf Papier schaut das banal aus. Wie die Schauspielerin diese Lieder aber in ihre ganz eigene Geschichte einwebt, wie sie ihre liebliche Stimme durch das Schnaufen aus der Nase bricht, das ist von großer Wirkung. Die Frau, der man zu Zeiten ihrer Fassbinder-Rollen den Namen „die Somnambule“ gab, zeigt heute, was das bedeutet: Das, was einen ausmacht, nicht durch Aktionismus ausbremsen.

Als letzte Zugabe singt sie ihn doch noch: „Lilli Marleen“, den Schlager aus dem gleichnamigen Fassbinder-Film. Obwohl ihr, wie sie uns vorab verriet, das Lied persönlich nicht sonderlich viel bedeutet. Es wird halt gewünscht. Sie muss uns doch glücklich erleben. Sie ist doch selbst so voller Liebe.


Kölner Rundschau - 16.10.2009, von Barbro Schuchadt

Schygullas Zeitreise in Köln

Musikalische Memoiren

Hanna Schygulla gastierte mit „Aus meinem Leben“ in der leider nur halb gefüllten Philharmonie. In fast allen Filmen von Rainer Werner Fassbinder spielte Schygulla mit, auch international machte sie Karriere.
KÖLN. Man nannte sie „die Somnambule“, als sie 1969 erstmals in Rainer Werner Fassbinders „Liebe ist kälter als der Tod“ auf der Leinwand erschien. In fast all seinen Filmen wirkte Hanna Schygulla mit, zuletzt 1980 in „Berlin Alexanderplatz“. Nach Fassbinders Tod 1982, als sie schon in Paris lebte, machte sie auch international Karriere, drehte mit Godard, Wajda, Saura und Marco Ferreri, bekam für dessen „Geschichte der Piera“ 1983 die Goldene Palme von Cannes.

Der Knick kam, als sie sich entschloss, 13 Jahre lang ihre Eltern zu pflegen. In dieser Zeit fand sie zu ihrer großen Passion und entwickelte sich in mehr als einem Dutzend Projekten zur charismatischen Stimmschauspielerin. Im September präsentierte sie ihre musikalische Autobiografie „Aus meinem Leben“, mit der sie jetzt in der leider nur halb gefüllten Philharmonie gastierte. Diese wunderbare Zeitreise durch 66 intensiv gelebte Jahre beleuchtet Entwicklungsstadien im Strudel von Nachkriegsdeutschland, Kulturrevolution der 68er und schließlich der Besinnung aufs Wesentliche.

Auf der sparsam ausgeleuchteten Bühne steht eine Frau, die völlig in sich zu ruhen scheint, die viel von sich preisgibt, ohne sich zu exhibitionieren. Das graue Haar aufgetürmt (später fällt es locker), die fülliger gewordene Figur von wallenden Tüchern umhüllt, plaudert sie mit schwebender Leichtigkeit von den Kränkungen des schlesischen Flüchtlingskindes mit dem komischen Namen in der bayerischen Grundschule.

Von der kulturellen „Erweckung“ als 19-jähriges Au-Pair-Mädchen („Haussklavin“) in Paris. Von der Schauspielschule, die sie mit Rainer Werner Fassbinder in München besuchte, wo sie von Anfang an in seinem Action- und Antitheater mitwirkte. Die unangestrengt fortgesponnene Geschichte entwickelt sich im stetigen Dialog mit ihrem sensibel reagierenden Pianisten Stephan Kanyar, ein Glücksfall der Kongenialität.

Über ergreifend schlicht gesungene Kinder- und Volkslieder führt der Weg zu den Großen: Schygulla im Gospel-Groove von Mahalia Jackson, sinnlich in Elvis‘ „Heartbreak Hotel“, herausfordernd in Piafs „Milord“. Extrem wandlungsfähig wechselt sie mühelos Genres und Register, entfaltet in Brecht / Weills „Surabaya Johnny“ einen ganzen Kosmos von Emotionen, wiegt sich herrlich ordinär bei Kris Kristoffersons „Me and Bobby McGee“, erinnert an Janis Joplin, Jim Morrison, Jimi Hendrix - „meine Sterne verglühten so schnell“.

Die Welt der lateinamerikanischen Musik eröffnete sich der Schygulla durch die Begegnung mit Jorge Luis Borges und Gabriel García Márquez, der ihr eine Rolle schrieb. Mit dem Tango „Adiós muchachos“ und „Manha do Carnaval“ aus ihrem Sehnsuchtsland Brasilien beschloss sie diesen großen Abend, bevor sie mit der Ballade „Willow weep for me“ noch einmal die Bandbreite ihres formidablen Jazz-Feelings auskostete.

Berliner Morgenpost - 3. September 2009, von Christoph Stölzl

Hanna Schygullas ungebrochener Zauber
und der Kitt der Zeit

BERLIN - Eine „Kohorte“ nennt die Soziologie Menschen, die als Angehörige benachbarter Jahrgänge ähnliche „Sozialisationen“ erlebt haben. Früher hat man dazu „Schicksal“ gesagt. Die Angehörigen einer Kohorte sind zum gleichen Zeitpunkt in den Fluss der Zeit gesprungen und sind mitgeschwommen, auf Sichtweite. „Weißt du noch?“ ist ihre Erkennungsparole.

Die Kohorte 1943/45 versammelte sich gestern in der „Bar jeder Vernunft“. Sie kommt, um einem Idol zu lauschen. Die Diva Hanna Schygulla ist aus Paris angereist, um singend und erzählend ihr Leben auszubreiten. Bevor es losgeht, sitzen wir bei brütender Hitze draußen. Wann ist die Künstlerin eigentlich geboren? Hier herrscht Uneinigkeit. Nicht jedoch darüber, dass die Zeit, folgt man den Zeitungsfotos, ihre Gestalt seit den Fassbinder-Tagen in den 1960ern doch sehr gerundet habe. Eine Dame, die dies Schicksal teilt, sagt zu ihrem Mann: „Das ist auch schon lange her, dass du Rehlein zu mir gesagt hast.“

Aber drinnen, im dunklen Zelt, verfliegt alle Ironie, nachdem die Schygulla die ersten Worte gesprochen hat. Da ist sie wieder, diese warme süddeutsche Stimme, dieses halb Liebliche, halb Brüchige, dieses Somnambule, das eine Generation in den Fassbinder-Filmen behext hat. Der Zauber ist ungebrochen. Sie flüstert, sie raunt, sie schluchzt, sie singt zärtlich und grell, sie lässt den Atem strömen und die Stimme schleifen, dass es mitten ins Herz geht. Eigentlich wäre es schon abendfüllend, wie sie von der Münchner Kindheit des schlesischen Flüchtlingsmädchens erzählt, das die Schulkameraden „Polen-Matz“ rufen. Von Kinderglauben und Religionszweifel, von den Spielen in Trümmern und dem Vater, der aus der Gefangenschaft heimkommt. Sie singt deutsche Volkslieder dazu, so, wie man sie noch nie gehört hat, innig und erschreckend zugleich. Aus Volksliedern werden dann Rocksongs und Kurt Weill und am Ende Tango Argentino.

Es wird ein langer Abend, bis die Diva, heiß und erschöpft wie ihr hingerissenes Publikum über den Raketenflug des Fassbinder-Ruhms und den Mäandern ihres internationalen Lebens danach endlich bei ihrer Zugabe „Lili Marleen“ angekommen ist.

Da, wo sie deutsch gesungen hat, war es berührend und nah. Da, wo es in anderen Sprachen geschah, war es Zeugnis des Kohorten-Erlebnisses, dass man die Anverwandlung des Fremden mit Inbrunst suchte - und gerade dadurch so durch und durch deutsch blieb.

Hingehen! Zuhören! Viermal singt sie noch.

dpa - 2. September 2009

Hanna Schygulla bei Premiere gefeiert

Als die Leute zu ihr sagten „Frau Schygulla, es ist ja so still um sie geworden“ – da hat sie sich nicht aufgeregt. Ihre Antwort: „Tja, kann halt auch mal wieder anders werden!“

Die Schauspielerin Hanna Schygulla weiß, dass sie ihre größte Zeit vor 30 Jahren mit Rainer Werner Fassbinder hatte. Mit „Effi Briest“, „Die Ehe der Maria Braun“ und „Lili Marleen“ schrieb sie Filmgeschichte.

Hanna Schygulla ist einer der wenigen deutschen Stars mit internationaler Karriere, sie hat mit vielen großen Regisseuren gearbeitet. Bei ihr passt der Artikel vor dem Nachnamen: „die Schygulla“ also. Seit Dienstagabend gastiert die Schauspielerin mit ihrer musikalischen Biografie „Aus meinem Leben“ in Berlin. Bei der Premiere in der „Bar jeder Vernunft“ trampelte das Publikum vor Begeisterung mit den Füßen.

Fassbinders wichtigste Schauspielerin ist heute 65 Jahre alt. Und, wie beruhigend: Beim Botox- und Jugendwahn der Filmbranche macht sie nicht mit. Die Haare sind grau, die Kleider wallen. Selbstironisch erzählte sie einmal einem Reporter, dass sie auch die dicke Omi spielen könnte, die sie bei dem Interview auf einem Kinderbuch erblickte. Hanna Schygulla strahlt eine besondere Schönheit und Gelassenheit aus. Das ist neben der Musik der Charme des Abends.

Luftig begleitet von Pianist Stephan Kanyar, reicht ihre Spanne von Volksliedern über Brecht, Edith Piaf, John Lennon, Bob Dylan bis zu einem Lateinamerika-Block. Viele Klassiker sind dabei, die meisten gekonnt und originell interpretiert, nur das abgedudelte „Satisfaction“ hätte sie sich sparen können.

Aus ihrem Leben erzählt Schygulla gerade so viel, dass es interessant und nicht zu egozentrisch ist: die Flucht aus Schlesien, die Kindheit in Bayern und die frühe Lust am Anderssein – die Artistenkinder in der Schule faszinieren sie. Dann die Zeit als Au-pair in Paris („halb Haustochter, halb Haussklave“) und das Hadern mit dem Vaterland, das typisch war für ihre Generation. „Wir waren geradezu allergisch auf das Deutsche.“

Bis Hanna Schygulla beim Theater, bei Fassbinder angekommen ist, dauert es mehr als eine Stunde. Er hat einen wichtigen, aber keinen dominanten Platz im Programm. Nur 13 Jahre hatte der Regisseur (bis zu seinem Tod 1982), um sein „Haus aus Filmen“ zu bauen, wie sie sagt. Ein „Bündel an Widersprüchen“ sei er gewesen, „so schüchtern und so frech zugleich“. Wenn die Schauspielerin Fotos von sich aus dieser Zeit sieht, fallen ihr die „traurigen Augen“ auf.

Lange kümmerte sich Schygulla um die Pflege ihrer Eltern, da war sie weniger präsent. Seit 13 Jahren singt sie. Die „schönsten Dreharbeiten“ erlebte die Schauspielerin auf Kuba bei der Verfilmung eines Stoffs von Gabriel García Márquez, erzählt sie. Warum Paris seit 1981 ihre Wahlheimat ist, wie es zur Zusammenarbeit mit dem jungen Regisseur Fatih Akin („Auf der anderen Seite“) kam, das erfährt man bei dem Kabarettabend nicht. Im September steht sie für den Film „Faust“ des russischen Regisseurs Alexander Sokurow nach Motiven von Goethe vor der Kamera.

Am Ende ihrer musikalischen Zeitreise gibt es Jazz, dann eine Zugabe. „Ich schenke Ihnen zum Abschied einen alten Hut“, sagt Hanna Schygulla. Sie singt „Lili Marleen“. Eine Zuschauerin reicht ihr weiße Rosen.

Märkische Allgemeine - 5. Mai 2009, von Hanne Landbeck

Somnambule aus dem Niemandsland

Soloabend „Aus meinem Leben“ der Schauspielerin Hanna Schygulla im Hans-Otto-Theater

POTSDAM - Als Hanna Schygulla am Sonntagabend nach der Pause die Haare offen im roten Rock und der schwarzen Bluse in das behutsam vernebelte Scheinwerferlicht trat, da wirkte sie wie ein Vamp und hatte längst das Publikum erobert. In „Born to be wild“ kulminierte ihre selbstbewusste und sehr sinnliche Sangeskunst. Das Publikum dankte mit spontanem Beifall und die Sängerin erkannte, dass sie passend zum Hans-Otto-Theater gekleidet war.

Ihre musikalische Biographie führte durch Stationen „Aus meinem Leben“, das in den 1940er Jahren begann, als man noch Heil Hitler skandierte und ihre Mutter vor der Geburt kurzfristig den geplanten Vornamen von Dagmar in Hanna änderte. Weil sie mal eine gekannt hatte, die so hieß, ist die einzige Information, die Hanna Schygulla über ihre Namensvetterin von der Mutter erhielt – und nach dem Tod der Eltern, die sie pflegte, ist die Diseuse traurig darüber, dass sie nicht weiter fragte.

Der Holocaust und sein Schatten bildeten die Folie ihrer Kindheit, Lieder wie „Am Brunnen vor dem Tore“, „Wochenend und Sonnenschein“ oder „Tief im Wald“ den Klangteppich. Allerdings ging der Abend wie die Stimme der Starschauspielerin von Rainer Werner Fassbinder in die Tiefe, bewegend beim „Kindertotenlied“ von Mahler; ergreifend im Umgang mit eigenen und gesellschaftlichen Erfahrungen, die die „Somnambule aus dem Niemandsland“ auch im Widerstreit mit Deutschland machte.

Schon lange lebt sie in Paris. Als sie in die Pubertät kam, passierte „etwas mit meinem Körper“, und „jetzt waren die Jungs hinter mir her“. Diese Jungs waren nicht die braven, sondern jene, die wie sie revoltierten, eine andere Welt schaffen wollten. Janis Joplins „Me and Bobby Mc Gee“ mit der Freiheitsbeschwörung war für die junge Frau eine Offenbarung, kurz darauf begegnete sie jenem Mann, der sich ebenfalls schnell verbrannte: Rainer Werner Fassbinder. Die Jahre mit ihm streifte die Diva nur kurz, aber „Alles aus Leder“ von Fassbinder war eine starke Hommage an diese Zeit.

„Lilli Marleen“ kam nur als Zugabe am Schluss. Da hatte das begeisterte Publikum die aktuelle Schygulla kennengelernt, die zu erstaunlicher Kraft und Lebensfreude gefunden hat. „Emociones“ sang sie auch als Zeugnis ihrer Zuneigung zur brasilianischen Sängerin Maria Bethãnia. Schon allein, wie sie diesen Namen hauchte, zeigte, dass diese Erfahrung tief geht. „Neue Gefühle habe ich“, war da (auf spanisch) zu hören, und man glaubte ihr, dass die wichtigen auch ausgelebt werden müssen.

Stefan Kanyar begleitete beeindruckend sicher den Facettenreichtum der Schauspiel-Sängerin am Flügel.

Mitteldeutsche Zeitung - 3. Mai 2009, von Ute van der Sanden

Das eigene Leben in Liedern

Schauspielerin Hanna Schygulla sang im Opernhaus Halle

„Aus meinem Leben“ ist Hanna Schygullas persönlichster Chansonabend. Ein denkwürdiger Abend mit einer großen Schauspielerin, der einem noch eine Weile in den Ohren und, mehr noch, am Herzen liegt. Schygullas Altstimme klingt nicht schön nach herkömmlichen Begriffen, aber rauchig und wandelbar. Sie lässt kein Genre aus: Volkslieder, jiddische Lieder, romantische Kunstlieder, politische Lieder und französische Chansons fließen übergangslos aus dem gesprochenen Text, den sie wie eine Tragödie von Sophokles deklamiert. „Surabaya-Johnny“ dehnt sie in ein großes Ritardando, dass zu füllen schafft nur eine wie sie. Auch das Kindertotenlied von Gustav Mahler: stark. Und das Fassbinder-Chanson „Alles in Leder“: unübertroffen.

... Das Publikum erhob sich geschlossen und applaudierte stehend.

Wiener Zeitung vom 29. November 2008, von Petra Tempfer

Marionette mit Eigenleben

Theater Akzent: Hanna Schygulla als Darstellerin der eigenen Biografie

Lasziv lächelt der knallrote Erdbeermund – dafür ist sie bekannt, die Hanna Schygulla, die am Donnerstag im Theater Akzent gemeinsam mit dem Pianisten Stephan Kanyar ihre musikalische Biografie „Aus meinem Leben“ erzählte. Allein die Augen, sie blicken anders als früher. Die Traurigkeit in ihnen ist verschwunden, in diesen „Augen wie Sternen“, wie der deutsche Regisseur Rainer Werner Fassbinder sie einmal nannte.

Schygulla galt als dessen Lieblingsschauspielerin – sie wirkte in zahlreichen Filmen Fassbinders mit, der 1982 mit 37 Jahren gestorben ist. Dass sich ihr Leben nicht auf die intensive Zeit mit dem bizarren Autodidakten beschränken lässt, wird mit den Worten: „Ich bin eine Fassbinder-Marionette... mit Eigenleben“ umschrieben – nur flüchtig streift das Programm diese Filmkarriere, die sich zwischen Traurigem und Absurdem bewegte.

Schockierendes aus der Nachkriegszeit

Als Darstellerin ihres eigenen Lebens unterbricht die Grenzgängerin zu Beginn Kinderlieder mit schockierenden Erzählungen aus der Nachkriegszeit, als Schygulla in den Trümmern Deutschlands spielte. Dabei lässt das gedämpfte Scheinwerferlicht das wallende weiße Haar nahezu blond erscheinen – und die 65-Jährige zaubert Bilder aus ihrer Schulzeit, ihren jugendlichen Phantasien und Träumen auf die Bühne, die von der Musik Elvis Presleys, der Beatles und Janis Joplins rhythmisch begleitet werden.

Bis zur Unkenntlichkeit verzerrt die Chansonniere Kulthits von Bob Dylan („Blowin‘ In The Wind“), John Lennon („Imagine“) und Steppenwolf („Born To Be Wild“). Das Wechselspiel zwischen Fiktion und Realität, das Auf und Ab dieser Jahre spiegelt sich in den Oktavsprüngen ihrer Interpretationen wider.

Als faszinierend und einschneidend wird danach die Zeit in Paris dargestellt – wo Hanna Schygulla Chansons von Edith Piaf („Milord“) kennenlernte und daraufhin die Stadt zu ihrer Wahlheimat machte.

„Die Somnambul aus Niemandsland“, wie sich Schygulla selbst bezeichnet, „fühlt sich überall gleich dazugehörig – aber doch nicht so ganz.“ Bewusst nennt sie sich einen Antistar – der sich auch nicht zur Sängerin entwickeln möchte.

Schygulla überzeugt mit Ehrlichkeit, Lebensweisheit und Humor auf der Bühne, die sie anfangs in Dunkelheit gehüllt betritt; am Ende hinterlässt sie lächelnd ein beeindruckendes, bewegtes Lebenswerk.


Magdeburger Volksstimme 21. Februar 2006, von Dr. Herbert Henning

Faszinierende Zeitreise durch ein Leben


Es war ein Dialog mit sich selbst und doch ganz an das sensibel reagierende Magdeburger Publikum gerichtet. Die „Diva des Chansons“, der internationale Filmstar und die legendäre „Muse“ von Rainer Werner Fassbinder, Hanna Schygulla, präsentierte im Opernhaus als Deutschlandpremiere ihr neues Programm „Mein Leben - eine musikalische Biografie“.

Feenhaft erscheint sie zu zarten Piano-Klängen aus dem schwarzen Bühnenhintergrund. „Es schläft ein Lied in mir“ singt die Schygulla, die auch im Alter immer noch diese Melancholie, diese Zerbrechlichkeit, diese Kraft und den verwirrend-schönen Ausdruck in ihrem Gesicht hat, der ihre Filmfiguren Effi Briest, Maria Braun, Petra von Kant und Lilli Marleen in den Filmen von Rainer Werner Fassbinder so einzigartig machte. Die Lieder ihres Lebens will sie „wecken“, den Zuhörer mitnehmen auf eine Zeitreise, ihr Leben in Liedern und Chansons öffentlich machen.

Aus 90 Minuten Programm wurden mehr als zwei pausenlose Stunden. Keine einzige Minute zu viel. Hanna Schygulla erweist sich nicht nur als die weltweit mit ihrem Brecht-Programm „Brecht - hier und jetzt“, dem Chansonprogramm „Hanna Schygulla chantesingt“, dem Abend „Traumprotokolle“ und dem Tango-Abend „Tango, Borges und ich“ gefeierte Diseuse, sondern als „musikalische Erzählerin“ Sie erzählt, als ob sie gerade in diesem Augenblick ihre Lebensgeschichte, ihre Lebensgeschichten „erfindet“, in Worte fasst. Erzähltes, mit sprachlicher Brillanz formuliert, geht nahtlos über in Lieder, die in ihrer Interpretation neu und ganz anders klingen. Kinderlieder, Schlaflieder, Weihnachtslieder, Traumlieder und Volkslieder, die sich immer auf Erlebtes, auf Begegnungen mit Menschen beziehen. Lied für Lied, in einen historischen Kontext gestellt und mit persönlichen, ganz intimen Erinnerungen drapiert, blättert die Künstlerin mit ihrem wunderbaren Pianisten Stephan Kanyar ihr „Lebensbuch“ auf. Kindheit, Jugend, erste Liebe, Paris, wohin sie 1962 als Au-pair-Mädchen ging und nie wieder wirklich nach Deutschland zurückkehrte, und: die Chansons der Edith Piaf („Mylord“). So bekennt sie sich zu ihren „Schwierigkeiten mit Deutschland“ und der Vergangenheitsbewältigung und mahnt mit Brecht „wehret den Anfängen“ Die Liebeslieder von Bertolt Brecht, das „Wiegenlied einer Mutter“, der „Surabaja-Johnny“-Song und endlich der berühmte „Haifisch-Song“ - ein Höhepunkt des Programms wie auch die (musikalischen) Erinnerungen an die 68er mit Songs von Janis Jopin, dem Song „Imagine“, den Rolling Stones.

PR-Material

Ankündigung: Aus meinem Leben - eine musikalische Biografie

Der internationale Filmstar und die legendäre “Muse” von Rainer Werner Fassbinder präsentiert ihr Programm “Aus Mein Leben - eine musikalische Biografie”.

Hanna Schygulla hat noch immer diese Melancholie, diese Kraft und den verwirrend-schönen Ausdruck in ihrem Gesicht, der ihre Filmfiguren Effi Briest, Maria Braun, Petra von Kant und Lilli Marleen in den Filmen von R.W. Fassbinder so einzigartig machte. In den 90er Jahren galt sie als die “Europas aufregendste Schauspielerin” (New York Times). In ihrem aktuellen Chansonprogramm singt sie die Lieder ihres Lebens, nimmt ihr Publikum mit auf eine Zeitreise und macht ihr Leben in Liedern und Chansons öffentlich.

Sie zeigt sich als “musikalische Erzählerin”. Erzähltes, mit sprachlicher Brillanz formuliert, geht nahtlos über in Lieder, die in ihrer Interpretation neu und ganz anders klingen. Gemeinsam mit ihrem hervorragenden Pianisten Stephan Kanyar schlägt sie ihr “Lebensbuch” auf.

“Immer schon haben Musiken in meinem Leben eine große Rolle gespielt. Sie haben mich durch gewisse Perioden dieses Lebens begleitet und kreisen auch heute noch in mir wie das Echo von Zeiten, die ich hinter mir habe oder Verheißungen von etwas, das da noch kommen mag!”, sagt die große Schauspielerin.

Wir freuen uns sehr auf den Abend mit dieser Ausnahmekünstlerin und faszinierenden Frau.

 

Veranstaltungsplakat zu “Aus meinem Leben” zum Herunterladen

Aus Meinem Leben Plakat A1
Aus Meinem Leben Plakat A3

 

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